Nichts sehen, nichts hören, nichts reden – Affendemokratie in der Wikipedia

Am 26. März 2012 endete in der Wikipedia die Umfrage „Benennung des Missbrauchsfilters“. Erstaunlich an dieser Umfrage ist, dass nahezu die gesamte Anzahl der Stimmberechtigten keinen Einblick in Grundlagen des Abstimmungsthemas hatte.

 

Nichts sehen

Von den ca. 120 existierenden Filtern (Stand 6.2.2012) sind ca.. 75 Filter privater Natur. Bei den öffentlichen Filtern können auch “normale” Benutzer die Ergebnisse der Filterung einsehen. Die Einsicht in die Einstellungen und Logdateien der sogenannten “privaten” Filter, die 2/3 aller Filter ausmachen, ist Administratoren vorbehalten. In der Umfrage existiert unwidersprochen der Satz „Bei vielen der aktivierten Filter geht es jedoch nicht um die Verhinderung von Missbrauch, sondern vielmehr um auf Fehler aufmerksam zu machen und diese zu protokollieren.“ – beispielsweise „ungewolltes Einfügen von Wikisyntax aus der Zeichenleiste„. Es ist verwunderlich, aus welchem Grunde die Konfiguration für solche einfachen Fehlerhinweise in 2/3 der Filter nicht einsehbar sind.

Nichts hören

Die Umfrage selber unterliegt ebenfalls dem sogenannten Missbrauchsfilter. Die Bearbeitung ist entsprechend eingeschränkt. Kritiker des Missbrauchsfilter können so von der Bearbeitung der Diskussionsseite ferngehalten werden. Hören will man auch keine kritischen Beiträge auf der Seite. Der Vorschlag den Missbrauchsfilter statt in das unter den Teppich kehrende „Bearbeitungsfilter“ in „Großer Bruder“ umzubenennen wurde so auch prompt durch einen Administrator gelöscht. Auch die Aufarbeitung bereits vorliegender Diskussionen und Hinweise erfolgte nicht. Es existiert in der Umfrage so gut wie kein Link auf weiterführende Seiten.

Nichts reden

Das der Missbrauchsfilter private, nicht öffentlich kontrollierbare  Filter enthält, ist bekannt. Man weiß auch, dass durch jeweils einen Netzbereichsfilter im Rahmen des Missbrauchsfilters im Standard jeweils ca. 65.000 Internetnutzer von der Mitarbeit an der Wikipedia ausgesperrt werden können. Zwar äußern vereinzelte Wikipedia User Kritik. Tiefer gehend diskutiert werden diese Zustände jedoch nicht. Auch stellen die an der Umfrage teilnehmenden Administratoren wie z.B. Harald Krichel alias User Seewolf, die zu den Hauptkonsumenten der privaten Filter gehören, nicht deutlich heraus, wer, wie, wo und vor allem was durch private Filter gesperrt wird.

 

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