Anders Behring Breiviks Liebeserklärung an die Wikipedia

Anders Behring Breivik beschreibt Wikipedia als ideales Werkzeug, um den Rechtsextremismus zu fördern.

Die Stuttgarter Zeitung berichtet, das Breivik auf die Frage nach seinen angeblichen historischen Studien, die ihm die Augen geöffnet hätten, diesem nur das Onlinelexikon Wikipedia einfiel. Für die Zeitung The Telegraph schreibt der Journalist David Blair über die Vernehmung in der Hauptverhandlung „Die Wiki-Breivik TascheThe questioning resumes. What was the greatest influence on Breivik’s ideology? What was the main source for his worldview? His answer is emphatic: „Wikipedia“.

Kurz vor seinen Terroranschlägen versendete Breivik sein 1500-Seiten starkes sogenanntes Manifest “ 2083: A European Declaration of Independence“ an rund 1.000 Empfänger. Im Manifest beschreibt er seine Ideologie. Etwa 218 Quellennennungen beziehen sich auf die Wikipedia.

Der Wikipedia widmet Breivik ein eigenen kurzen Abschnitt „Battlefield Wikipedia – an important tool to market resistance fighters/resistance movements and our world view„. Dort heißt es:

Members of the European Resistance Movements on all 8 political fronts must prioritise contributions in Wikipedia as a primary method for presenting our world view, our political doctrines and our definition of history. (…)  We must strive to present our views in the most favorable way while at the same time discredit our enemies. It is an arena we should focus on.

Übersetzt:

Die europäische Widerstandsbewegung muss Beiträge in der Wikipedia priorisieren, um unser Weltbild, unsere Politiker und politische Doktrine zu präsentieren, sowie unsere Definition der Geschichte. (…) Wir müssen anstreben, unsere Sichtweise im besten Licht zu präsentieren, während wir gleichzeitig versuchen, den Ruf unserer Feinde zu schädigen. Wikipedia ist eine Arena, auf die wir uns fokussieren müssen.

Jarle Vines, norwegischer Wikipedianer und Administrator meint im Norwegischen Rundfunk NRK : „Es ist möglich, dass sehr viele Artikel in eine politische Richtung beeinflusst wurden. (…) Wir haben einen konkreten Benutzernamen, den wir Breivik zuordnen. (…) Wir glauben, dass er viele Versuche unternahm, Artikel in seinem Sinne zu ändern.“ Wikipedia vil ha hjelp til å kjempe mot høyreekstremisme. NRK vom 27.03.12 (Google Übersetzung).

Neues schreibt Breivik allerdings nichts. Wikipedia dient schon seit Anbeginn als Plattform für extremistische Ideologien aller Art von Links bis Rechts und von Oben bis Unten. Die sogenannte „VM“ Seite beispielsweise, die Seite für Vandalismusmeldungen, ist ein beredetes Zeugnis für Meldungen, an denen sich ablesen lässt wie und wo Ideologie-Autoren jedweder politischer Couleur ihr tägliches Stelldichein geben um den „den Ruf [ihrer] Feinde zu schädigen„.

Auch nach seiner Festnahme kann Breivik nicht ohne die Wikipedia „Nach unbestätigten Medienangaben soll der geständige Attentäter unter anderem Zugang zu einem eigenen Computer mit dem von ihm verfassten, 1500 Seiten umfassenden «Manifest» sowie dem Online-Lexikon Wikipedia verlangt haben.“ schreibt die Tageszeitung Die  Südostschweiz.

Quelle Wikipedia Commons

Quelle Wikipedia Commons

Umso verwunderlicher ist die Handhabung der Nähe Breiviks zur Wikipedia in der deutschen Wikipedia. Bereits am 23. Juli 2011 wurde auf der Diskussionsseite zum Anders Behring Breivik Artikel auf die Nähe Breiviks zur Wikipedia hingewiesen („218 Referenzen zur Wikipedia in Breiviks Pamphlet“). Das ehemalige Mitglied des Wikipedia Schiedsgerichts und Administrator Catfisheye  beispielsweise hat als Antwort auf den Vorschlag, ob entsprechende von Breivik verwendete Artikel in der deutschen Wikipedia zu überprüfen nur die naive Frage „Auf was sollen sie überprüft werden?“ Weitere Diskussionen zum Thema Wikipedia & Breivik verliefen im Sande. Der User, der ursprünglich auf der Diskussionsseite auf die Nutzung der Wikipedia durch Breivik hinwies wurde kurze Zeit später unter der ominösen Begründung „Einzweckkonto“ weg gesperrt.

Siehe auch

Kleine, aber feine Unterschiede – Wie in der DDR der Rechtsextremismus totgeschwiegen wurde und in der Wikipedia das Totschweigen beschönigt wird


Rechtsextremismus existierte in der DDR per Verfassung nicht. Artikel 6 der Verfassung der DDR besagte:

„Die Deutsche Demokratische Republik hat getreu den Interessen des Volkes und den internationalen Verpflichtungen auf ihrem Gebiet den deutschen Militarismus und Nazismus ausgerottet.“ (Artikel 6 der DDR-Verfassung vom 7. Oktober 1974)

Stimmte natürlich nicht.

Flammarions Holzstich

Rechteextremismus existiert - Auch in der DDR war die Erde nicht flach sondern eine Kugel.

Nachweisliche Straftaten von Rechtsextremisten traten oftmals im Jugendbereich sowie in den bewaffneten Organen der DDR auf.  „Das Thema wurde alsbald tabuisiert, das rechtsextreme Potential staatlich verheimlicht“  heißt es erst noch richtiger weise in der Wikipedia. Doch gleich im nächsten Satz wird dann die Arbeit der Gerichte als ein offener Kampf gegen Rechtsextremismus dargestellt. „Dennoch stieg die Zahl der Strafprozesse gegen Neonazis an“. So so, „Dennoch“! Gerichte sprachen also offen den Rechtsextremismus in der DDR an und nannten ihn beim Namen. Verurteilen eventuell sogar wegen rechtsextremistischer Tätigkeiten ?

Als Belege für diese Theorie nennt die Wikipedia die Fälle der Neonazis Arnulf Priem und Mario Meurer. Beide wurden aber in der DDR aber wegen sogenannter „staatsfeindlicher Propaganda“ verurteilt. Von einer Verurteilung wegen Rechtsextremismus ist nicht die Rede. Wie sollten auch in der DDR Gesetze gegen und Verurteilungen wegen Rechtsextremismus bestehen, wenn doch die Verfassung Nazismus auf dem Boden der DDR für „ausgerottet“ erklärt.

Die Verheimlichung des Rechtsextremismus setzte sich auch in den Urteilen der Justiz fort. Von einem offenen Umgang der Justiz der DDR mit dem Thema Rechtsextremismus, wie in der Wikipedia beschrieben, kann nicht die Rede sein.

Nun könnte man denken, dass Fehler in der Wikipedia schnell geändert werden können. Offensichtlich ist aber die beschönigende Darstellung des gerichtlichen Umgangs mit dem Rechtsextremismus in der DDR die gewünschte Darstellung. Nach kurzem hin und her im Artikel wurde der Artikel trotz klarer Erläuterung des Sachverhaltes administrativ in der beschönigenden Version mit dem Kommentar „unerwünschte Beiträge“ gesperrt.

 

Wikipedia liefert Listen rechtsextremer Bands

Suchen sie rechtsextreme Musik? Bei Wikipedia werden Sie  geholfen.

Es gibt ca. 100 Bands, die sich in der Wikipedia Kategorie „Rechtsextreme Musik“ und deren Unterkategorien finden. In vielen dieser Artikel sind die Webseiten der Bands verlinkt, oftmals auch mehrfach verlinkt

Verlinkt werden damit z.T. strafrechtlich relevante oder jugendgefährdende Inhalte. Deutlich wird dies z.B. beim Artikel der Band A.D.L. 122. Auf der Website der Band sind schemenhaft Menschen mit  zum Hitlergruß gestrecktem Arm zu sehen. Zudem finden sich dort Cover mit in Deutschland strafbar gleichschenkligem Keltenkreuz und Plakate, auf denen Bilder mit einer Marschkolonne zu sehen sind, die Bannern tragen, aus denen das Hakenkreuz retouchiert wurde, aber deutlich NSDAP zu lesen ist. Im Forum finden sich zahlreiche „Sieg heil!“ Einträge und andere rechtsextreme Äusserungen.

Gelöscht wird eine Menge in der Wikipedia. Aber bei diesem Thema heisst es dann plötzlich „Eine Zensur findet nicht statt„.

Lars Gule, Anders Breivik – Oder warum in der Wikipedia nicht von Gules Parallelen zwischen Israel Umgang mit Palästinensern und dem Holocaust berichtet werden kann

Gule und Breivik

Am 16. August 2011 wurde im Rahmen der Arbeiten am Wikipedia Artikel „Anders Behring Breivik“ der Artikel „Lars Gule“ erstellt. Lars Gule ist ein norwegischer Philosoph, Historiker und Sozialwissenschaftler. Im Jahr 1977 wurde Lars Gule in Beirut festgenommen. Grund war die Überführung von Sprengstoffen, die bestimmt waren für einen bewaffneten Angriff gegen Israel.Der Sprengstoff war gedacht für den Einsatz einer Aktion im Namen der Demokratische Front zur Befreiung Palästinas zum zehnten Jahrestag des Sechstagekriegs. Gule wurde im Libanon zu einem halben Jahr Gefängnis wegen des illegalen Sprengstoffbesitzes verurteilt.

Interessant waren diese Hinweise vor allem im Hinblickauf die Nutzung seiner „Expertise“ im Breivik-Artikel. Dort hieß und heisst es immer nochDer norwegische Sozialwissenschaftler Lars Gule charakterisiert Breivik als nationalkonservativ, er habe eine konservative, christliche Ideologie, vermutlich aber ohne fundamentalistischen oder neonazistischen Hintergrund“ Zusammen mit Gules Sprengstofftransporten, dessen Eintreten gegen Israel sowie der bekannten rechtsextremistischen Kontakte Breiviks sind und waren die Expertisen Gules eine mehr als fragwürdige Expertise.

Artikelerstellung

Die Artikelerstellung führte schnell zu einer Löschung dieser Informationen und zur umgehenden Sperrung des initialen Autors inklusive üblicher Sockenbeschimpfung, Bezeichnung als „Pack“ und Herunterspielen der Unterstützungen Gules als Tat eine Jugendlichen (er war 1977 22 Jahre alt). Nach einem so genannten Editwar konnten einige beherzte Autoren diese Löschungen wieder rückgängig machen.

Die TAZ berichtet: Gule zieht Parallelen zwischen Israel Umgang mit Palästinensern und dem  Holocaust – Löschungen auf der Diskussionsseite

Eine Ausweitung der Beschreibung der Problematik „Gule / Israel“ wurde aber auch weiterhin unterbunden. Informationen auf der Diskussionsseite wurden wieder gelöscht.

Am 2.8.2006 berichtete die TAZ im Rahmen eines Artikels über den Karikaturenstreit um Mohammed-Karikaturen in der dänischen Tageszeitung Jyllands-Posten. Im Rahmen der Diskussione rund um dieses Thema veröffentlicht die Zeitung auch so die TAZ „eine ausführliche Analyse des Nahostforschers Lars Gule. Er listet unter dem Titel „Israels Apartheid“ eine ganze Reihe „leider bestehender relevanter Parallelen“ zwischen der Judenverfolgung durch die Nazis und Israels Umgang mit den PalästinenserInnen in den Jahren von 1967 bis 2006 auf.

Die Information wurde administrativ mit dem Hinweis „Israel=Nationalsozialismus: sagt weder die taz noch sonst wer“ wieder gelöscht.